Digital Native? – Also, manchmal schon!

We are stuck with technology when what we really want is just stuff that works. –Douglas Adams

Auch digitale First Mover können Probleme mit Veränderungen haben. Change ist für alle eine Herausforderungen, wichtig ist das Verständnis dafür. Ich habe am Wochenende selber die Erfahrung gemacht, dass es für mich auch nicht immer ohne gewisse Skepsis funktioniert.

In den letzten Wochen standen aufgrund eines Providerwechsels und verlockender Vorweihnachtsangebote zwei grundlegende Änderung bei mir daheim an. Beim Wechsel von Vodafone zur Telekom als Internetanbieter und der damit geänderten Kabelverbindungen kann ich meine NAS nicht mehr per LAN-Kabel an den DSL Router anschließen. Zudem haben die Angebote bei Lidl den Einstieg in Smart Home (zumindest für die Heizung) erschwinglich gemacht. Beim Umbau der beiden Systeme habe ich an mir ein oder zwei Dinge festgestellt, die meiner Meinung nach zeigen, warum und wie schwer wir uns mit Neuem tun. Selbst wenn das „Neue“schon 19 Jahre auf dem Buckel hat (WiFi).

Die Heizung ist nun digital

Der Umbau der Heizung ist so einfach wie genial. Der Hub wird mit Kabel am Router angeschlossen, die App per QR Code installiert, einmal den QR Code auf der Rückseite des Hubs gescannt – et voila, willkommen im Smart Home. Zumindest für Heizung & Sicherheit, aber das ist ein anderes Thema :). Der manuelle Heizkörperthermostat (Ich liebe die deutsche Sprache!) wird durch den elektronischen getauscht, die Batterie eingesetzt, Kopplung mit dem Hub, den Stellpin justiert. Fertig. Was für mich aber viel spannender war, das komische Gefühl, dass nun ein Automat (nachweislich sehr viel effizienter und sparsamer!!!) die Heizung steuert. Ich kann nicht mehr das Rad drehen, was passiert wenn keine Verbindung zum Hub existiert, ist die Verbindung aus dem Dachgeschoss ins EG zum Hub stabil. All diese Dinge gehen einem durch den Kopf bei einem eigentlich relativ einfachen Prozess. Ich wechsle einen manuellen Drehvorgang durch einen zentral steuerbaren Automatismus. Die Probleme sind die gleichen, wie wenn ich das Rad noch habe: Ist der Motor kaputt – übrigends genauso wenn im manuellen Rad der Pin bricht o.ä. – muss ich das Gerät tauschen. Ansonsten habe ich all die Annehmlichkeiten die so ein Smart Home mit sich bringt. Aber selbst bei mir als technisch sehr affinem Menschen, der unfassbar gerne neues ausprobiert ist das Vertrauen, die Sicherheit, dass es funktioniert erstmal weg. Das neue System muss zeigen, dass es geht.

Vom Kabel zurück zu DSL

Der Wechsel von Vodafone zur Telekom sollte heutzutage keinerlei Probleme machen. Der Router entsprechend konfiguriert (gleiche SSID, gleiches PW) und es ist ein reibungsloser Wechsel – so die Idee. Am Tag der Umstellung geht es damit los, dass der Kabelanschluß (weil notwendig) direkt am Fernseher ist, die Telefonbuchse (weil auch sinnvoll) im Erdgeschoss im Hausflur. Technisch kein Problem, Telekomtechniker kommt, schaltet die Dose, synct das DSL und ich konfiguriere das WLAN. Die Handys, Laptop, Fernseher, Rasp Pi, alles sofort wieder online. Nun nur noch das kleine Problem mit der NAS. WiFi ist eine Technologie entwickelt im letzten Jahrtausend, seitdem stetig verbessert. Da eine NAS eine langfristige Anschaffung ist, ist auch meine NAS etwas älter – kein WLAN Modul onBoard. Also war schon der Prozess einen WLAN-Dongle zu finden, der Plug&Play fähig ist eine kleine Herausforderung. Einrichtung WLAN, Konfiguration der Dienste, Performance – alles kein Problem. Nun aber wieder das, was mit mir passiert: Bislang ist die NAS als digitale Medienwiedergabe per Kabel mit dem Router und das Abspielgerät (der Rasp Pi) mit einem LAN Kabel mit dem Router verbunden. Das bedeutet: stabile Verbindung, hohe Netzwerkgeschwindigkeit, keine Störungen durch extern. Und wieder das gleiche Problem: Obwohl wir WLAN täglich für Smart Phones, Smart TVs, Laptops und der gleichen zigfach nutzen, das sprichwörtliche Steckerziehen bereitet mir unbehagen. Das Vertrauen für die Stabilität des WLANs ist noch nicht da. Auch hier gilt, das neue System muss zeigen, dass es geht.

Was bedeutet das für den täglichen Change?

Dieses bei mir selbst empfundene Unbehagen hat mir einmal mehr verdeutlich, was allen Menschen, die sich in ihrem Unternehmen auf der digitalen Reise befinden, abverlangt wird. Das ist nichts negatives, nur müssen wir alle, die das treiben und treiben wollen, uns permanent vor Augen führen, dass unser Gegenüber vielleicht ein noch viel größeres Unbehagen empfindet als ich selber beim Stecker ziehen meiner NAS. Die Bereitschaft Neues auszuprobieren, sich auf Veränderung einzulassen, Dinge auch anders zu machen ist sicherlich da. Nur das geht immer damit einher, dass alle Beteiligten sich dabei sicher und abgeholt fühlen.

Für mich als IT Nerd ist es ein neues Tool, eine Möglichkeit Dinge einfacher zu machen, mein Gegenüber hat die Sicherheit seiner bisherigen Umgebung, die Verläßlichkeit des Tools und tut sich schwer.

Und im Zweifelsfall muss im ersten Schritt auch die Telefonbuchse vielleicht im Wohnzimmer für eine zweigleisige Lösung montiert werden.

Ein kleines AddOn: Microsoft und die veränderte Wahrnehmung

Ein schönes Beispiel für genau diese Problematik vereint Microsoft derzeit als Konzern in der Kundensicht. Was innerhalb des Konzerns in den letzten Jahren passiert ist und was für eine Erfolgsgeschichte sich derzeit dort entwickelt ist unglaublich aber hinlänglich bekannt. Was mir aber in den Diskussionen immer wieder begnetet ist, dass für viele Microsoft immer noch der verläßliche etwas schwerfällige Softwarelieferant von Betriebssystem und Office ist. Das Bild im Kopf der Menschen ist: Ich bekomme eine CD und diese wird installiert und funktioniert. Die Realität mit O365 und Evergreen? Das was heute geht, geht morgen vielleicht nicht mehr. Es fallen Funktionen weg, es kommen neue dazu. Es gibt neue Tools, alte werden eingestellt. Kurz: Ein völlig normaler Cloudservice wie Amazon, Google oder Facebook. Der Unterschied ist, dass gerade in der Arbeitswelt viele Menschen noch das „alte“ Bild vor Augen haben und dann die Diskussionen kommen: Die Software ist fehlerhaft, mir fehlt eine wichtige Funktion, warum kommt denn schon wieder was neues. Und alles, was für alle Anwender bei iOS, Android, G-Suite Diensten völlig selbstverständlich hingenommen wird ist im Bezug auf Microsoft ein Problem. Der Unterschied ist aber nicht mehr existent.

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